Im Schaumbad

Villagers: Where Have You Been All My Life? Domino Records.

Von Murièle Weber (NZZ am Sonntag)

Die aus Dublin stammende Band Villagers gibt es zwar schon seit 2008, bis anhin dümpelte sie aber eher am Rande der Musikszene dahin. Das scheint sich nun mit ihrem vierten Album «Where Have You Been All My Life?», das ironischerweise keine neuen Songs enthält, zu ändern – denn nun entdeckt sie auch der Mainstream. Während ihrer «Darling Arithmetic»-Tour 2015, mit der sie ihr gleichnamiges Album vermarkteten, arrangierte Songschreiber und Frontmann Conor O’Brien viele ihrer älteren Songs um. Daraus entstand die Idee, zehn dieser Lieder neu einzuspielen – live an einem Tag in den Londoner RAK-Studios und ohne Nachbearbeitung. Auch wenn Conor O’Brien in «Everything I Am Is Yours» zugibt, es falle ihm schwer, zu sagen, was in ihm vorgehe, singt der homosexuelle Sänger in «Hot Scary Summer» sehr ehrlich über seine Erfahrungen mit Homophobie. Und im Track «Memoir», ge- schrieben für Charlotte Gainsbourgs Album «Stage Whisper» (2011), wirft er sich gar auf den metaphorischen Scheiterhaufen einer verflossenen Liebe. O’Brien hat keine Angst vor grossen Gefühlen. Doch obwohl sich die Neuaufnahme gelohnt hat und sie vielen Songs eine Wärme verleiht, die man bei früheren Aufnahmen vermisste, ist das Folk-Pop-Gemisch so glatt, dass nichts hängenbleibt. Aber um ein Schaumbad im Kerzenschein musikalisch zu untermalen, reicht es allemal.

Hinterlasse einen Kommentar