The Strumbellas: Hope. Vertigo.
Von Murièle Weber (NZZ am Sonntag)
Nein, besonders innovativ ist die Musik der Strumbellas nicht. Wer auf der Suche nach Neuem ist, sollte sich lieber das neue Album «The Colour in Anything» von James Blake anhören. Herr Blake hat ja dieser Tage den Ritterschlag der Queen, also nicht der englischen, sondern Pop-Queen Beyoncé erhalten, als er auf dem neuen Album gleich mit zwei Songs vertreten sein durfte. Aber weil wir vor zwei Wochen schon einen Lobgesang auf «Lemonade» angestimmt und dabei auch Herrn Blake lobend erwähnt haben, wenden wir uns diese Woche einem «guilty pleasure» zu. Die Musik der kanadischen Band The Strumbellas ist wie der warme, schon leicht schwere Arm eines angetrunkenen Freundes auf den Schultern, während Sie und er ziemlich falsch, dafür mit umso mehr Herzblut zur Musik mitsingen. Die Songs des im Jahr 2008 in Lindsay gegründeten Sextetts folgen dem immer gleichen Muster: Sänger Simon Ward beginnt mit sanftem Gesang ein eher düsteres Bild zu zeichnen, wonach die anderen fünf Bandmitglieder langsam einstimmen. In der Folge nimmt der Song nicht nur eine positive Wendung, sondern gewinnt auch beträchtlich an Schwung und zieht einen mit, ganz wie der erwähnte warme Arm eines Freundes. Und das ist emotional unheimlich befriedigend. Sie sind noch unentschlossen? Hören Sie sich wenigstens den Song «Young & Wild» auf «Hope», dem dritten Album der Band, an. Sie sind auch danach nicht überzeugt? In dem Fall sollten Sie sich wirklich besser das Album von James Blake besorgen.