Tom Odell: Wrong Crowd. Sony.
Von Murièle Weber (NZZ am Sonntag)
Es gibt rein gar nichts auszusetzen an Tom Odell. Der Mann ist nett. Wenn man ihm gegenübersitzt, wirkt er unschuldig und jünger, als er mit 25 eigentlich ist. Ende April verzückte der Londoner auch die Zürcher im ausverkauften «Mascotte». Die jungen Frauen im Publikum nickten sich aufgeregt zu. Ja, er war wirklich hier. Und ja, er war wirklich so grossartig, wie sie sich das vorgestellt hatten. Die Show war perfekt choreografiert. In den emotionalen Momenten wurden Licht und Nebel so eingesetzt, dass er wie eine überirdische Gestalt durch den Dunstschleier schimmerte – kaum greifbar, nicht ganz von dieser Welt. Aber der Mann weiss wirklich zu begeistern. Während «Another Love», seinem grössten Hit, und «Wrong Crowd», der ersten Single aus seinem neuen Album, kochte der Saal unter den stampfenden Füssen der Tanzenden. Die Songs des zweiten Albums hören sich insgesamt an wie eine nahtlose Verlängerung von Odells Debütalbum. Eine Entwicklung stellt man nicht fest. Aber die braucht es anscheinend auch nicht. Der Sänger hat seinen Stil gefunden, der ihn und seine Fans befriedigt. Die Songs sind angenehm fürs Ohr, und man mag sie auch ein drittes und viertes Mal anhören. Was will man mehr? Nun, trotz der eingängigen und im Moment mitreissenden seiner Songs bleibt am Ende nicht viel übrig. Ja, es war schön, aber fünf Minuten später hat man das bereits vergessen.