Vom Hass zerfressen

Nachdem ihre Tochter qualvoll ermordet wurde, rechnet eine Mutter (Frances McDormand) im Film «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» mit dem gesamtem Establishment ab.

Von Murièle Weber (FRAME)

Drei verlotterte Werbetafeln stehen auf einer nebligen Wiese im ­ländlichen Missouri. Mildred Hayes (Frances McDormand) will sie für etwas Neues nutzen, der Chef der Werbeagentur stimmt verängstigt zu. Denn mit Mildred will sich niemand anlegen. Einerseits aus Respekt, weil ihre Tochter vor einem Jahr vergewaltigt und angezündet wurde, andererseits aus Angst, weil die Frau jede Tür eintritt und jedem Teenager ans Schienbein kickt, wenn sie dadurch ihrem Ziel näher kommt: den Mörder ihrer Tochter zu finden. Dazu braucht sie auch die Plakatwände. In mannshohen Buchstaben schreibt sie die Frage an den örtlichen Sheriff (Woody Harrelson) darauf: «Noch immer keine Verhaftungen, Chief Willoughby?» Damit bringt sie die ganze Stadt gegen sich auf. In Mildreds Augen ist die Polizei darum untätig geblieben, weil sie zu beschäftigt damit ist, Schwarze zu foltern. Aber nicht nur die Polizei, vielmehr die ganze Gesellschaft ist von Rassismus und Hass zerfressen. Oder wie der Sheriff es sagt: «Wenn ich jeden Rassisten entliesse, blieben noch drei Schwulenhasser übrig.» Der Film ist brutal. Keine Frage. Aber diese Gewalt ist beim irischen Theaterautor und Regisseur Martin ­McDonagh nie unmotiviert. Sein Publikum soll in der alltäglichen Dunkelheit ein wenig Humor finden und einen kathartischen Prozess durchleben. Hinter der Wand aus Hass geht es um Trauer in ihren unterschiedlichen Formen. «Jeder im Süden kennt eine Form von Schmerz», hat der USA-Kenner und «Guardian»-Journalist Gary Younge die Südstaaten einmal treffend beschrieben. Das zeigt sich in dieser Kriminalkomödie in jeder Figur auf individuelle Weise, wobei niemand auf ein Klischee reduziert wird. Dadurch überrascht der Film den Zuschauer immer wieder aufs Neue und bleibt hochspannend. «Three Billboards», der am Zurich Film Festival gefeiert wurde, ist grandios in jeder Hinsicht, insbesondere Frances McDormand, der McDonagh die Rolle auf den Leib geschrieben hat. Vor allem aber ist es eine Liebeserklärung von McDonagh, dem Mann aus dem Norden, an die eigenwilligen Menschen im Süden. 

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